Wirtschaftliche Lage [1]

"The Long Tail"

Wirschaft - Internet "The Long Tail" (zu Deutsch: "Der lange Schwanz") bezieht sich auf den Markt und die Nach-frage von Produkten. Der Namen kommt von dem dazu gehörigen Schau- bild, was einem (Ratten)-Schwanz ähnelt. Diese Überlegung wurde von Chris Anderson aufgestellt und be-sagt, dass für reale Geschäfte der Aufwand zu teuer ist, zweit- bis drittklassige Waren anzubieten.
Mit zweit- bis drittklassiger Ware sind jene Artikel gemeint, die eine geringe Nachfrage auf-weisen. Diese Artikel werden in der Regel allerdings nicht angeboten, da dies zu teuer wäre. Der Umsatz könnte aber enorm gesteigert werden, wenn man diese Artikel anbieten würde.
Bei Musik-Download-Anbietern beispielsweise erbrachten die "weniger gefragten" Artikel einen wesentlich größeren Umsatz als die Topseller.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Artikel mit einer hohen Nachfrage im Ver-hältnis sehr gering ist. Ganz anders dagegen verhält es sich mit den Produkten, die eine niedrige Nachfrage aufweisen. Diese Produktvielfalt ist enorm.
Aus diesem Grund ist der Umsatz bei weniger gefragten Produkten insgesamt größer, als bei "Topsellern".
Zusammenfassend kann man sagen, dass es sinnvoll ist, sich auf Nischenprodukte zu spe-zialisieren (wenn der Lagerplatz keine Rolle spielt). Viele Nischenprodukte können lukrativer sein, als wenige Topprodukte. So lautet nach diesem System das Erfolgsgeheimnis eher "Masse statt Klasse".

Beispiel-Rechnung

Jeder verkaufte Artikel erwirtschaftet 10 € Gewinn. Von 100 Artikeln gibt es einen Topseller, dieser wird 50 mal verkauft. So erwirtschaftet der Artikel also 500 € Gewinn. Die anderen 99 Nischenartikel werden 1 mal verkauft, erwirtschaften aber trotzdem mehr, 990 €.

Probleme des "Long Tail"

Das größte Problem bei dieser Überlegung stellt, aufgrund der hohen Produktvielfalt, der Lagerplatz dar. Viele verschiedene Artikel bedeuten logischerweise, dass viel Platz benötigt wird, und dieser ist bekanntlich teuer.
Herkömmliche Einzelhändler können daher dieses Verkaufsmodell nicht wählen, es wäre zu teuer. Anders sieht es bei Online-Märkten aus, den so genannten hybriden Einzelhändlern, wie z.B. Amazon. Der Ausstellungsplatz fällt komplett weg. Deshalb kann dieser als Lager-platz verwendet werden. Doch auch hier gibt es noch immer reelle Güter.
Die komplette Umsetzung kann also nur bei den digitalen Einzelhändlern stattfinden. Dieser Markt ist zwar momentan noch nicht stark ausgeprägt, er wächst aber stetig an. Im Zeitalter der Information wächst auch der Umsatz von digitalen Medien. Heutige Anbieter sind z.B. Musik-Download-Portale oder Online-Videotheken.

Problemlösung des Lagerbestands, Beispiel: Amazon

Eine Teillösung von Amazon sieht vor, Bücher mit einer geringen Nachfrage erst nach einer Bestellung zu drucken (Print-on-Demand). Davor ist dieses Buch als digitale Datei im Lager-bestand. So sind die Lagerkosten annähernd auf Null gesenkt. Dieses Verfahren rentiert sich momentan mit Büchern, die eine Verkaufszahl von über 100 Stück / Jahr aufweisen.
Jedoch ist die Tendenz zu den Verfahrenskosten sinkend. Deshalb können in naher Zukunft auch Bücher, die eine geringere Nachfrage haben, gewinnbringend angeboten werden.
Gleich verhält es sich mit DVDs. Dafür kaufte das Unternehmen Amazon die Firma CustomFlix auf, um sich nach Bedarf DVDs herzustellen.

Auswirkung auf andere Internetseiten

Die Überlegung vom "Long Tail" lässt sich auch auf Nischenprodukte an Webseiten auswei-ten. Mit vielen Webseiten die weniger Gefragten Informationen anbieten kann man mehr Er-folg haben, als mit Webseiten die gefragte Informationen anbieten.
Ein anderer Vorteil ist, dass dieser Markt wesentlich weniger umkämpft ist.


[1] "The Long Tail - Der lange Schwanz" - Chris Anderson, Carl Hanser Verlag Mün-chen, 2007
Grafik: Eigene Erstellung